HIRNCHEMIE  -  Hirnlabor, Hormonfabrik, emotionale Marker


  • „Glück gleicht durch Höhe aus, was ihm an Länge fehlt.“ (R. Lee Frost)

    

    03.01.2014


    Gesundheit und Gefühle

    In welcher Beziehung stehen Geist und Gefühle eines Menschen zu seiner gesundheitlichen Verfassung?  weiterlesen..........

     

    Wie bereits dargelegt, sind die Neuropeptide die Substrate der Gefühle und halten ständige Verbindung zum Immunsystem, dem Mechanismus, der für Gesundheit und Krankheit verantwortlich ist.

    So ist beispielweise überzeugend dokumentiert, dass am Montagmorgen (mit Beginn der Arbeitswoche) mehr Herzinfarkte vorkommen als an jedem anderen Wochentag. Da Tage wie diese mit bestimmten Gefühlen besetzt sind, in welcher Hinsicht auch immer, zeigt sich, dass Emotionen in einem engeren Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand des Herzens stehen. 

     

    Kurzum, ich möchte hier deutlich machen, dass das Gehirn auf molekularer Ebene sehr eng mit dem Rest des Körpers verzahnt ist, so eng, dass der Begriff - MOBILES GEHIRN – eine treffende Beschreibung des psychosomatischen Netzwerks ist, über das Information von einem System zum anderen gelangt. Sekunde für Sekunde findet im Körper ein umfassender Informationsaustausch statt.

     

    Wenn wir glücklich sind, kann ein Virus deshalb nicht in die Zelle gelangen, weil alle potentiellen Virenrezeptoren von „positiven Hormonen“ wie Noradrenalin, Serotonin oder Oxytocin  in Beschlag genommen sind. Der Gefühlsaudruck ist immer mit einem bestimmten Peptidfluss im Körper verknüpft. Die emotionale Gesundheit ist wichtig für die körperliche Gesundheit.

    (Candace Pert – die Moleküle der Gefühle – rororo)

     


    29.04.2013


    "Ich fühle, also bin ich....."

    Nach diesen Worten von A. Damasio (Uni. of Southern California) dem führenden Bewusstseins- und Emotionsforscher der Welt sind Emotionen (emotions) chemische und neuronale Reaktionen im Gehirn die einzig und allein dazu da sind, um günstige Umstände für unser Überleben zu schaffen. Ihr Sitz ist in den alten Teilen unseres Gehirns. Sie steuern unser Verhalten, ohne dass wir uns dessen bewusst sind und nützen den Körper als Kommunikationsfläche. Gespeicherte Daten (Erfahrungen) werden in ca. vierhundertstel Sekunden als Information (Gefühl) an uns abgegeben. Diesen Informationsweg nennt Damasio somatische Marker, er ist uns angeboren.

     

    Somatische Marker

    Somatische Marker sind die Grundlage aller unserer Entscheidungen ohne dass wir dessen bewusst sind. Sie führen uns in eine bestimmte Richtung. Zum Beispiel warnen sie vor Dingen, mit denen wir schon schlechte Erfahrungen gemacht haben. Ebenso fördern oder stimulieren sie uns im umgekehrten Sinn in Form positiver Gefühle. So sind es Gefühle, die uns Entscheidungen treffen lassen und nicht der vielgepriesene "kühle Kopf".

     

    Irrtum kühler Kopf

    Gezielte Versuche mit Menschen deren Gefühlszentren durch Krankheit oder Unfall geschädigt wurden, haben zwar bewiesen, dass das logische Denken einwandfrei funktioniert, nicht aber Zukunftsvorstellungen. Auch vorausschauende Handlungsentscheidungen konnten von ihnen  nicht getroffen werden. Ihre Entscheidungen waren und blieben immer  kurzsichtig. Die Verbindung von Gefühl und Gedächtnis ist ein Produkt der Evolution. Sie bewirkt, dass der Hirnteil, in dem unsere Emotionen beherbergt sind, gleichzeitig auch wesentliche Körpervorgänge steuert, ohne dass unser Bewusstsein darüber eine direkte Kontrolle ausüben kann.

     

    das Gehirn ist kein Kochtopf

    Darin liegt auch die Ursache, warum Überbelastungen wie chronischer Stress oder seelische Erkrankungen wie Depressionen uns auch körperlich erkranken lassen. Physiologisch besteht kein Unterschied, ob der Ärger gerechtfertigt ist oder nicht. Unser Körper beurteilt Gefühle nicht vom moralischen Standpunkt aus, er reagiert einfach. Die landläufige Meinung Dampf abzulassen sei befreiend, ist eine, wo auch immer entstandene, Dorfweisheit. "Unser Gehirn ist kein Kochtopf. Im Umgang mit negativen Gefühlen liegt ein Geheimnis. Die Art, wie wir auf Unannehmlichkeiten reagieren beeinflusst das Grundverhalten unseres Gehirns, somit das persönliche Lebensgefühl und in weiterer Folge Wohlbefinden, Glück oder Gesundheit" erklärt der Neuropsychologe R. Davidson (vgl. Begley 2007) und zeigt, wie unser Gehirn wirklich funktioniert.

     

    Chemielabor der Freude

    Im Gegensatz zu negativen, beschleunigen positive Empfindungen die Prozesse im Denken und fördern Kreativität. Die Hirnforschung entdeckt gerade, dass das, was uns emotional anspricht, ein viel breiteres Nervenzellen-Netzwerk integriert und einbindet als bisher angenommen;  es "gelangt nicht nur ins Wissenssystem sondern auch ins episodische Gedächtnis". Gute Gefühle steigern unsere Denkleistung, erhöhen die neuronalen Verbindungen und machen es uns möglich sich viel mehr zu merken. Weiters werden die fördernden Hormone Dopamin, Serotonin, Endorphin und Oxyticin produziert, gemixt und daraus  entsteht ein Cocktail der Freude.

     

    DOPAMIN

    gilt im Volksmund als das Glückshormon, welches bei einem intensiven Flow-Erlebnis ausgeschüttet wird. Es wird für eine Vielzahl von lebensnotwendigen Steuerungs- und Regelungsvorgängen benötigt und reguliert die Durchblutung innerer Organe. Zudem regelt es die Durchblutung der Bauchorgane, insbesondere der Nieren.

     

    SEROTONIN

    ist die Schokolade der Gefühle. Ein erhöhter Serotoninspiegel ist bei Verliebten zu finden. Serotonin erhöht das Wohlbefinden und  das Gefühl der Zufriedenheit. Depressionen und Angststörungen gehen mit einem  Mangel an Serotonin einher. Serotonin ist deshalb ein natürlich wirkendes Antidepressivum.

     

    ENDORPHINE

    sind verantwortlich für  Empfindungen wie Schmerz und Hunger. Ihr Vorhandensein ist mitverantwortlich für die Entstehung von Euphorie und  Produktion von Sexualhormonen. Bestimmte körperliche Anstrengungen (siehe Runner's High) lassen Endorphine entstehen  und es wird angenommen, dass sie ebenfalls der  Grund sind, weshalb wir bei schweren Verletzungen zunächst keine Schmerzen verspüren.

     

    OXYTOCIN

    ist unser Beziehungshormon, welches Vertrauen, Geborgenheit und Lust erzeugt. Diese Mutter-Kind-Droge verstärkt die emotionale Bindung, schafft eine stimulierende und Lust bringende Wirkung. Bei Männern, wie auch bei Frauen macht es anziehend und sexuell attraktiv. In der Forschung wird Oxytocin mit Liebe, Vertrauen und Ruhe in Zusammenhang gebracht.

     

    Gefühle kommunizieren

    Gefühle werden durch Denkprozesse ausgelöst, die mit früher erworbenen emotionalen Erfahrungen verknüpft sind. Sie lösen Körperreaktionen aus, die jenen der gespeicherten Erfahrungen entsprechen. Gefühle benutzen dabei den Körper als Kommunikationsebene.  Die Veränderung von Körperzuständen lassen uns im Gegenzug gewisser Gefühle bewusst werden. So werden sie dadurch auch zur Grundlage unseres Selbst-Bewusst-Seins.

     

    Selbst-Bestimmung

    Wir bestimmen, wer wir sind. So wie wir handeln, werden wir sein und uns auch FÜHLEN. "Nicht jede Bewegung hinterlässt im Laufe des Lebens einen physischen Abdruck im motorischen Kortex wohl aber wiederholende Tätigkeiten". (Fred Gage) Freude und Glück sind keine Lotteriegewinne, sondern eine Frage bewusster Entscheidungen und ein Österreicher trifft sprichwörtlich den Nagel auf den Kopf. "Der Glaube, es gebe nur eine Wirklichkeit, ist die gefährlichste Selbsttäuschung. Ich bin frei, denn ich bin einer Wirklichkeit nicht ausgeliefert, ich kann sie gestalten". (Paul Watzlawick)

     

     

    Buchempfehlung

    Antonio Damasio / ich fühle, als bin ich / Ullstein 2002

    Antonio Damasio / Selbst ist der Mensch / Siedler Verlag 2011

    Joachim Bauer / das Gedächtnis unseres Körpers /Piper 2009

    Daniel G. Amen / das glückliche Gehirn /Goldmann 2010




„Wo alle das gleiche denken, denkt niemand besonders viel“ Walter Lippmann