EMPATHIE  -  Spiegelzellen, Sozialkompetenz, Beziehung


  • "Das Gesicht verrät die Stimmung des Herzens." (Dante Allighieri)

    

     

    22.02.2013


    Spiegelzellen, Spiegelgefühle

    So erstaunlich es klingen mag, aber die Entdeckung der Spiegelzellen durch Giacomo Rizzolatti 1995 ist vergleichbar revolutionär, wie die Erfindung des Internet. Mit dieser Entdeckung wurde auf einmal sichtbar, dass wir permanent kommunizieren, mit oder ohne Worte. Das komische oder auch gute Gefühl, welches wir manchmal bei einem anderen Mens"spüren" ist keine Einbildung, sondern eine Reproduktion dessen was unsere Spiegelzellen wahrnehmen. Die Untrüglichkeit wurde in mehreren Experimenten geprüft und es wurde klar, dass diese Zellen erkennen mehr, als unsere Augen sehen können. Jede Regung, jede Zuckung auch wenn sie noch so klein ist, wird registriert, selbst Stimme oder Tonlage finden Eingang und eine automatische Auswertung

     

    Basis für Beziehung und Entwicklung

    Heute rund 15 Jahre nach dieser Entdeckung und zahlreichen Studien, die immer neue Erkenntnisse bringen, ist erwiesen, dass Spiegelzellen elementar wichtig sind für den Menschen und seine Entwicklung. Sie ermöglichen das Erkennen von Absicht und Handlungsabläufen anderer Personen, sind die Basis für das Lernen, die erste Ebene von Kommunikation noch ohne Worte, sowie das soziale Empfinden, durch das emotionale Bindung, Geborgenheit und Stabilität entstehen.

     

    vor dem ich, war ein wir

    Bis zum 14. Lebensmonat, also das gesamte erste Jahr, beginnt ein Kind erst Stück für Stück sein Selbst und die Welt zu entdecken. Zuvor befindet es sich in einem gefühlsmäßigen Zustand von WIR. Erst nach diesem Zeitraum lernt es zu unterscheiden und die eigene Wahrnehmung mit anderen zu vergleichen. Aus diesem Grund ist das Gefühl in einem sozialen Gefüge aufgehoben zu sein existentiell wichtig. Für uns und unsere Psyche bedeutet es Überleben.

     

    Tragödie soziale Isolation

    Diese Tatsache wurde, wenn auch unfreiwillig im Psachimentos Experiment auf sehr tragische Weise sichtbar. Deshalb hat Mobbing auch so fatale Auswirkungen. In einer Welt, in welcher soziale Isolation und Einsamkeit bedauerlicherweise eine immer größere Rolle spielen, zeigt deutlich, welche Wirkung der Mangel eines Grundbedürfnisses wie soziale Geborgenheit mit sich bringt.

     

    eine logische Folge

    Denkt man rein logisch weiter, dann sollte das Rationalisieren von zwischenmenschlichen Beziehungen in der Arbeitswelt ein Ende haben. Viel eher sollten intelligente Unternehmen mehr daransetzen, ein vertrauensvolles und freundschaftliches Miteinander zu erzeugen. Entwicklung braucht positive Gefühle, ein negatives und belastetes Klima führt zu Abwehrhaltung, Kampfverhalten und Fluchtimpulsen.

     

    simultane Wahrnehmung

    Auch ohne Worte, manchmal sogar entgegen dem, was gesagt wird, erkennen wir, was andere wirklich beabsichtigen oder auch wünschen. Menschen leben in einem gemeinsamen, zwischenmenschlichen Bedeutungsraum, der es ermöglicht, die Gefühle, Handlungen und Absichten anderer intuitiv zu verstehen. Die Forschung hat gerade in den letzten Jahren erwiesen, dass die - neuronale Hardware - nonverbaler Kommunikation das System der Spiegelneuronen ist und...."Es arbeitet simultan und vor allem unabhängig unseres analytischen Verstandes" (vgl. BAUER 2006). Empathie ist nicht nur die erste Kommunikationsform in unserem Leben, sondern jeder Mensch interagiert nach wie vor über die Spiegelzellen, ob bewusst oder unbewusst..

     

    Achtung Ansteckung!

    Mitarbeiter der Arbeitsgruppe von Sophie Scott vom University College London berichteten im Dezember 2006 im Journal of Neuroscience, dass Spiegelneuronen daran beteiligt seien, dass man automatisch mitlache, wenn eine andere Person zu lachen beginnt. Gelächter sei ansteckend, weil die für Spiegelneuronen bekannten Areale im Cortex dann besonders aktiv seien, wenn man positive Gefühlsausdrücke beobachte. Lachen und Freude stecken genauso an, wie Unstimmigkeit und Ärger. Der Unterschied: das eine entwickelt, das andere bekämpft.

     

     

    Buchempfehlung

    Joachim Bauer / Warum ich fühle, was du fühlst / Heyne 2006

    Marco Iakoboni / Woher wir wissen, was andere denken / Dt. Verlagsanstalt 2009

    Nadja Zaboura / das empathische Gehirn / Verlag für Sozialwissenschaften 2008




„Wo alle das gleiche denken, denkt niemand besonders viel“ Walter Lippmann