SPIEL  -  Individualität, Lernen, autonomer Selbstwert


  • "Selbstentwicklung ist verbunden mit der Erkenntnis des eigenen Wertes". (M. Feldenkrais)

     

    "bonjour tristesse...."

    Achtet man auf die Blicke, die einem auf der Strasse begegnen, ist man versucht zu denken, einige wären auf dem Weg ins nächste Gefängnis und andere befinden sich im pausenlosen Wettrennen ums Leben. Ob Zeitmangel, ewiger Stress, unruhiger Schlaf oder diverse Rollen in die wir gedrängt werden, zumeist treiben uns dabei Sorgen, innere Ängste oder unbekannte Blockaden. Viele lernen mit dem Verlust von Lebensqualität eher umzugehen, sie zu ertragen, als daran etwas zu ändern.

     

    die Macht innerer Bilder

    Dabei geht um Bilder, die wir in unseren Köpfen umhertragen, welche unser Denken, Fühlen oder Handeln bestimmen. Wie aber sind diese Bilder dorthin gekommen? Wer oder was ist verantwortlich dafür, welches Bild wir uns über uns selbst, über andere und unser Leben machen. Es geht darum, wie diese Bilder in unseren Köpfen wirken, woher sie kommen und wie wir es anstellen, dass künftig nicht diese Bilder, sondern wir unser Leben bestimmen.

     

    Bilderkennung

    "Entdeck dich mal" steht hier... Machen sie dich froh (frei) oder engen sie dich ein und vor allem wohin werden sie dich führen? Wir sind mit unserem Gehirn in der Lage, bereits angelegte innere Bilder, mit neuen Bildern (Erfahrungen) zu vergleichen und zu verändern. Diese Fähigkeit, neue Wahrnehmungen zu machen und diese Wahrnehmungen in Form neuer Verbindungsmuster im Gehirn zu verankern, ist beim menschlichen Gehirn besonders gut entwickelt. (vgl. G.Hüther)*

     

    Spezialität des Hirns

    "Um entscheidungsfähig zu sein, ob die bisher im Gehirn, für Denken, Fühlen und Handeln angelegten Prägungen so bleiben oder verändert werden können, brauchen sie ein lebenslang lernfähiges Gehirn. Genau das ist die spezielle Fähigkeit des menschlichen Gehirns. Die Spezialität des menschlichen Hirns, war die Entwicklung des Vielpotenzials, der Kreativität. (vgl. G. Hüther)*

     

    die Pädagogik der Befreiung

    Lernen wird oft nicht als Befreiung, sondern als Fremdbestimmung oder Zwang erlebt. Nicht das klassische Konzept, dessen zentrale Absicht das "Eintrichtern" von Wissen ist, sondern die Entwicklung von (Selbst-)Bewusstsein ist die Idee von P.Freires "Pädagogik der Befreiung". Lernen ist kein autoritärer Prozess, sondern ein sozialer, was sich durchaus in den Social Web, Media oder Network Entwicklungen zeigt, aber noch viel deutlicher und überzeugender aus den Erkenntnissen aktueller Hirnforschung hervorgeht.

    

    Spiel - Naturprinzip des Lernens

    Wie elementar Spiel, und das es mehr, als nur kindliches Verhalten ist, entdeckte Stuart Brown: „Ein Mangel an spontanem, fantasievollem Spiel verhindert, das Kinder zu glücklichen und verträglichen Menschen werden.“ Spielen fördert die Entwicklung sozialer Kompetenzen, potentieller Handlungsmöglichkeiten, sowie neue Nervenzellen und Verschaltungen im Gehirn. „...Spielen der wichtigste Mechanismus ist, durch den die höheren Hirnregionen entwickelt und sozialisiert werden.“ _Jaak Panksepp (Washington Stat. Univ)

     

    Pädagogik und Spiel

    Betrachtet man die Spielformen der Kindheit, so zeigt sich, dass das Spiel zur Entwicklung sensomotorischer Kompetenzen führt. Realität wird rekonstruiert und es werden die drei Faktoren für die Persönlichkeitsentwicklung und geistige Haltung verbunden. ERLEBNISVERARBEITUNG (Bezug zur Vergangenheit), ERLEBNISGESTALTUNG (Gestaltung der Gegenwart) und Bedürfnis- sowie motivationsgesteuerte ZIELORIENTIERUNG. (Ausrichtung auf die Zukunft). Nicht spielen, wirkt sich sowohl auf die Persönlichkeitsentwicklung, als auch die Problemlösungsfähigkeit negativ aus.

     

    Spiel der Befreiung

    Zu den Theorien von Paolo Freire entwickelte Augusto Boal eine Methode der praktischen Umsetzung – ein Schau-Spiel der Befreiung, das Theater der Unterdrückten. Befreiendes Lernen mit allen Sinnen ist jene Alternative, welche durch Erfahrung und Erleben, dem Lern- und Entwicklungsprinzip der Natur, - dem Spiel - folgt. Spielerische Prozesse animieren die Vorstellungskraft, visualisieren Situationen, entwickeln Fähigkeiten, aktivieren Ressourcen und erzeugen dadurch eine Probe zur Realität.

     

    Entwicklung von Fähigkeiten

    "Wir lernen durch Erfahrung und Erleben. Das trifft sowohl für das Kind zu, das vom Strampeln über das Krabbeln zum Gehen kommt, als auch für den Wissenschaftler mit seinen Formeln. Fähigkeiten werden in dem Moment entwickelt, in dem jemand den ganzen Spass und die Erregung genießt, die ein Spiel zu bieten hat – dann genau ist er wirklich offen, sie zu empfangen". (V. Spolin)*

     

    Urlaub vom Alltagsleben

    Jedes gute Spiel hat einen hohen sozialen, Fähigkeiten fördernden und entwickelnden Wert und aktiviert damit das kreative Potenzial. "Zwischen Schauspiel und Spiel besteht ein kleiner– nicht wesentlicher Unterschied. Eine Situation zu erschaffen und in ihr eine Rolle zu spielen ist eine starke Erfahrung, eine Art „Urlaub vom Alltagsleben“ und ein Ausstieg aus der „Routine des Alltags“. (V. Spolin)

     

    Augusto Boal, Theater der Unterdrückten

    Boals Theater-Spiel holt Menschen aus ihrer Passivität und regt zur Entfaltung persönlicher Potentiale an. Das Theater der Befreiung ermöglicht auf spielerische Art, innere Impulse zu erkennen und auszudrücken. Es verführt zur Erkundung der eigenen Stärken, individueller Ressourcen und Fähigkeiten. "Kein Buch, kein Wort und keine Theorie können dieses „Erleben“ vermitteln. Es gehört dem, der hineingeht und bereit ist seine eigene Welt, seine Fähigkeiten und Ressourcen zu finden. Für alle die nicht nur auf der Suche sind, sondern finden wollen.“ (Augusto Boal).

     

    such dir die Rolle, die richtig Spass macht

    Erweiterung und Entwicklung bedeutet zuerst sich selbst finden und dann die eigenen Talente soweit zu erkunden, dass es Raum für neue Wege schafft. Dabei entsteht diese Freude, die jeder spürt, wenn er vom Fleck kommt, wenn er voran schreitet, größer, autonomer und sich zugleich erfüllt spürt. Mit Humor wird es um ein Vielfaches leichter, entspannter und einfacher, denn positive Gefühle ent-wickeln, sie schenken den Mut sich anzunehmen, sich zu mögen und an den individuellen Qualitäten zu erfreuen. W. Shakespeare meint dazu: „Wenn du erkannt hast, dass das Leben Theater ist, dann such dir eine Rolle aus, die dir so richtig Spaß macht."

     

    Boaltheater fördert

    - autonomen Selbst-Wert

    - humorvoll, intuitiv und individuell zu agieren

    - komplexes und vernetztes Denken

    - einen gelösten Umgang mit Druck und Stress

    - Schnelligkeit in der Ideenfindung

    - Spontaneität, Flexibilität,

    - Befreiung aus starren, kontraproduktiven Mustern

    - Sprachwitz und gewandte Wortwahl

    - Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit

    - Empathie, soziale Kompetenz und Teamgeist

    - Humor, Lachen, Spaß und eine Menge Freude.

    

     

    Buchempfehlung

    Theater der Unterdrückten, AUGUSTO  BOAL, Edition Suhrkamp

    Das spielt (k)eine Rolle, THOMAS HAUG, Ibidem

    die Macht innerer Bilder, GERALD HÜTHER, Vandenhoeck/Ruprecht 2011

    Improvisations-Techniken, VIOLA SPOLIN, Junfermann Verlag

    Bonjour tristesse, FRANCOISE SAGAN, Ullstein 2005

    




„Kreativität kann beinahe jedes Problem lösen. Die kreative Handlung, der Sieg des Originellen über die Gewohnheit, überwindet  alles“. George Lois