ACHTSAMKEIT  -  Bewusst-Sein, Mindlife, Empathie


  • "Der Glaube, es gebe nur eine Wirklichkeit, ist.. Selbsttäuschung."    (P. Watzlawick)

    

    Achtsamkeit
    "wird gerne dem Bereich Spiritualität, Esoterik oder Religion zugeordnet, was bei skeptischen Menschen zu einer ablehnenden Haltung führt. Dank neurowissenschaftlicher Verfahren können heute die Wirkungen von Achtsamkeitsübungen auf die Aktivität und Struktur des Gehirns nicht nur objektiv untersucht, sondern erwiesen werden."*

     

    neue Wege bahnen

    In der Sprache der Wissenschaft bedeutet Achtamkeit, die innere Beobachtung stärken und neue Wege im Gehirn zu bahnen. Mittels Kernspintomographie kann nachgewiesen werden, dass sich durch Achtsamkeit das Gehirn im Frontalbereich verändert. Diese Forschungen demonstrieren eindrucksvoll die Veränderbarkeit neuronaler Schaltkreise, die unser Bewusstsein bestimmen und zugleich verändert. 8samkeit öffnet die Augen für eine Realität jenseits der Gewohnheit und Routinen und ermöglicht eine Freiheit, die entsteht, wenn die Spiele des Egos durchschaut werden.

     

    Meditation für Skeptiker
    "Das gegenwärtige Bewusstsein jedes Menschen ist das Ergebnis seiner biologischen, kulturellen und individuellen Entwicklung. Dennoch entscheiden wir über Aktivitäten und Inhalte des Bewusstseins. Zur Zeit umfasst die Achtsamkeitsforschung mehrere tausend Veröffentlichungen (Murphy & Donovan, 1997). Die Untersuchung von Harald Piron (2003) ergab, dass durch Achtsamkeit, Erahrungen in fünf Bereichen unterschiedlicher Tiefe zugeordnet werden können." (O.W.Barth, 2010)"
    1.    lösen von Unruhe, Motivations- u. Konzentrationsproblemen
    2.    Entspannung, Wohlbefinden, bessere Atmung, mehr Ruhe erlangen
    3.    Lösen aus belastenden Mustern, Erkenntnisse, Veränderungspotenzial
    4.    Mehr Klarheit, Freiheit, Leichtigkeit, Verbundenheit, Selbstakzeptanz
    5.    Gegenwärtigkeit, Gedankenstille, Einssein, Bewusstseinsweite.

     

    innere Muster erkennen
    Das Ausmaß der persönlichen Freiheit und Selbstbestimmung hängt davon ab, wie bewusst wir sind. Mehr als 80% des alltäglichen Verhaltens erfolgt nahezu automatisch und unbewusst. Achtsamkeit ermöglicht dazu, die persönliche Wahrnehmung zu erweitern und sich von Denkmustern, Glaubenssätzen und eingefahrenen Verhaltensweisen zu lösen.

     

    Geist & Gehirn

    Herausragende Vertreter der neurobiologischen Spitzenforschung wie der Nobelpreisträger Eric Kandel weisen darauf hin, dass die Entdeckungen über die Verbindung zwischen „mind“ (Geist) und „brain“ (Gehirn) ein Umdenken erfordern. Alles, was wir geistig tun, seelisch fühlen und in Beziehungen gestalten, findet seinen Niederschlag in körperlichen Strukturen. 

    

    Körper & Gehirn

    "Wenn wir damit beginnen könnten, die Welt anders zu betrachten oder anders zu denken, wenn es uns gelänge, nicht immer mit den gleichen Gefühlen auf dieselben Auslöser zu reagieren oder auch nur eine andere Körperhaltung einzunehmen, so hätte das enorme Folgen für alles, was auf der Baustelle Gehirn passiert. Am leichtesten gelingt das, wenn wir beginnen, unseren eigenen Körper wiederzuentdecken. Weil er so eng mit dem Gehirn und mit allem, was dort geschah, verbunden war, bietet der Körper einen besonders guten Zugang zu allen Ebenen des Erlebens und Verhaltens, zu den im Hirn abgespeicherten Sinneseindrücken, den Gefühlen, den unbewussten Verhaltuensmustern und nicht zuletzt zu den frühen Erinnerungen".**

     

    entdecke dich, in dir

    "Deshalb erfahren die meisten Menschen, sobald sie ihren Körper wieder entdecken, dass sie wieder Zugang zu sich selbst finden. Für jeden, der sich darum bemüht eingefahrene Körperhaltungen, alte Verhaltensmuster zu verändern, besteht der Lohn seiner Anstrengung  in einer Wiederentdeckung seiner eigenen Kompetenz, in einer neuen Haltung und einer neuen Einstellung – und nicht zuletzt in einem Zuwachs von Selbstgefühl und Selbstvertrauen. Das bedeutet nichts anderes, als das Wiederfinden der eigenen Gestaltungskraft und Lebendigkeit. Damit dieser komplexe Umbauprozess gelingt, bedarf es nicht nur guter Ratschläge oder Überlegungen, Theorie allein hilft wenig".**

     

    das eigene, innere Suchportal

    "Wir müssten uns auf die Suche nach dem machen, was unser ursprüngliches „wahres“ Selbst ist, nämlich eins zu sein und zu Hause zu sein in unserem Körper, mit all unseren authentischen Regungen und Empfindungen. Dann wären wir nicht nur zufriedener, dann würden wir auch wieder gesünder".** Diese Erfahrung erzeugt jedoch nicht nur etwas bei uns, sondern wirkt auch auf unser Umfeld, denn vor nicht all zu langer Zeit, enthüllte die Natur das Geheimnis zwischenmenschlicher Beziehung, die Empathie.

    

    die unsichtbare Beziehung, Empathie

    1996 deckte G. Rizzolati (Uni Parma) die Spiegelzellen oder anders gesagt – warum wir fühlen, was andere fühlen. Empathie ist die erste Form der Kommunikation eines Menschen. Spiegelzellen agieren wie ein Radar, das die Signale anderer Menschen und unserer Umgebung registrieren. Selbst was unserem Auge unsichtbar bleibt, wird von ihnen erfasst, das belegte eine Unzahl wissenschaftlicher Studien. Der Vorgang der Spiegelung passiert simultan und ohne jedes Nachdenken. Spiegelneuronen gehören zu den wichtigsten Utensilien im Gepäck für die Reise durch das Leben.

     

    Spiegel des Glücks

    Ohne Spiegelzellen entseht keine Beziehung (stärkste Beeinträchtigung – Autismus), keine Spontaneität, keine Intuition, kein Lernen, kein Verstehen, keine Bindung. Spiegelneuronen entwickeln sich nicht von alleine, sie brauchen immer einen Partner. Frühe Spiegelungen können also nicht nur zu seelischem sondern auch zu körperlichem Glück führen, leider können aber auch negative Auswirkungen durch wenig/keinen Kontakt bzw. Druck, Stress, Aggression entstehen.

    

    Wir-Organ Gehirn

    "In allen Bereichen in denen sich das menschliche Gehirn von anderen unterscheidet, wird es allein durch Beziehungserfahrungen strukturiert und geformt. Ohne ein Wir (erwachsene Vorbilder) hätte ein Kind nicht einmal gelernt aufrecht zu gehen, wäre nicht in der Lage sich in einer Sprache auszudrücken, wüsste nicht was essbar, giftig oder gefährlich ist. Unser Gehirn ist ein Produkt sozialer Erfahrungen und sozialer Beziehungen. (G. Hüther, 2011)*

     

    im Netzwerk der Gehirne

    Erst dadurch bekommt man den Blick, dass menschliche Gehirne Organe sind, die ausschließlich in einem Netzwerk von anderen Gehirnen entwicklungsfähig sind. Gehirne kommen so gesehen, im Singular gar nicht vor. Hirnentwicklung lässt sich überhaupt nur als ein Prozess von Beziehung beschreiben. Dass kein Mensch alleine überleben, geschweige denn die in ihm angelegten Potenziale entfalten kann, ergibt sich daraus zwangsläufig".**

     

    Dialog der Gefühle

    Ohne Worte, sogar entgegen dem, was gesagt wird, erkennen wir, was andere wirklich beabsichtigen, meinen oder auch wünschen. Menschen leben in einem gemeinsamen Bedeutungsraum, der es ermöglicht, Gefühle, Handlungen und Absichten anderer intuitiv zu verstehen. Empathie ist nicht nur die erste Kommunikationsform in unserem Leben, sondern jeder Mensch interagiert über die Spiegelzellen, ob bewusst oder unbewusst....."Es arbeitet spontan und vor allem unabhängig unseres analytischen Verstandes"***

     

    Achtung, Ansteckungsgefahr!

    Mitarbeiter der Arbeitsgruppe von Sophie Scott vom University College London berichteten im Dezember 2006 im Journal of Neuroscience, dass Spiegelungen dafür verantwortlich sind, dass man automatisch mitlache, wenn eine andere Person zu lachen beginnt. Gelächter sei ansteckend, weil die für Spiegelzellen bekannten Areale im Cortex dann besonders aktiv seien, wenn man positive Gefühlsausdrücke beobachte. Lachen und Freude stecken genauso an, wie Unstimmigkeit und Ärger. Der Unterschied: das eine entwickelt das andere bekämpft.

     

    fremde oder eigene Gefühle?

    Spiegelzellen arbeiten selbständig, simultan und ohne unser Zutun. So senden und empfangen wir permanent Gedanken, Empfindungen und Gefühle. So ist es einfach, dass auch negative Geisteshaltungen anderer sich auf uns übertragen, denn Spiegelzellen registrieren, das zeigten Studien, viel mehr als unser Auge sehen kann. Umso wichtiger scheint es, durch bewusste Achtsamkeit (mindlife), die eigenen positiven Gefühle zu aktivieren, nicht nur zum Selbstschutz, sondern ebenso für unsere Gesundheit.

    

     

     

    Buchtipps

    Meditation für Skeptiker, ULRICH OTT, O.W. Barth 2010*

    Was wir sind und was wir sein könnten, GERALD HÜTHER, S.Fischer 2011**

    Weshalb wir fühlen, was andere fühlen, JOACHIM BAUER, Heyne 2006***

    Triffst du Buddha, töte ihn, ANDREAS ALTMANN, Du Mont 2008





„Kreativität kann beinahe jedes Problem lösen. Die kreative Handlung, der Sieg des Originellen über die Gewohnheit, überwindet  alles“. George Lois